Nein, da waren einige Amsterdamer Polizisten nicht amüsiert: Ihr
Arbeitgeber hatte ihnen einen Bildband mit Fotos über Mord, Totschlag
und Vergewaltigung unter den Weihnachtsbaum gelegt. Nun läuft in
Amsterdam die Ausstellung zu dem umstrittenen Buch – 35 Fotos aus dem
Polizeiarchiv dokumentieren die Ästhetik des Verbrechens aus der Zeit
von 1965 bis 1985.
Das Grauen ist ein Schuh auf einer Treppe. Eine Bibel auf dem
Asphalt. Daneben steht: „Mord“. Oder „Selbstmord“. Leichen in extremen
Stellungen erzählen von den letzten, tragischen Sekunden eines Lebens.
Eine schief gerückte Wandlampe vor einer geblümten Wand wirkt fast
gruseliger als der weiß leuchtende Leib eines Toten unter Wasser.
Verbotene Früchte
Keines der Fotos aus dem Amsterdamer Polizeiarchiv, die jetzt in der
Amsterdamer Galerie „Foam“ unter dem Titel „Plaats Delict Amsterdam“ zu
sehen sind, war für die Öffentlichkeit bestimmt. Vielleicht liegt darin
ihre Anziehungskraft. Es sind verbotene Früchte, zum Kosten bereit. Sie
befriedigen den Voyeuristen in uns allen. Und: Sie sind beunruhigend
schön.
Von Cliff Richard bis Che Guevara
Die Ausstellung zeigt nicht nur Tatorte, sie ist auch ein Zeitdokument.
Wild gemusterte Teppiche und Fototapeten weichen im Lauf der Jahrzehnte
schlichterem Interior. Fotos von Cliff Richard an den Wänden werden
verdrängt durch Bilder von Jimmy Hendrix und Che Guevara. Selbst die
Todesarten erzählen vom Lauf der Geschichte, wie zum Beispiel die
vielen Drogentoten in den 60-ern, die auf LSD-Trip glaubten, aus dem
Fenster fliegen zu können.
Jeder Nationalität ihre Todes-Spezialität
In den Jahren 1965 bis 1985 wechselten auch die Einwanderergruppen, die
Holland für sich entdeckt hatten. Und mit ihnen die Zahl bestimmter
Straftaten. Raubüberfälle zum Beispiel waren eine italienische
Spezialität. Marokkaner und Antillianer bevorzugten zum Töten das
Messer, Jugoslawen killten extrem kaltblütig, Chinesen töteten sich
immer nur untereinander, und mit dem vermehrten Zuzug von Türken stieg
die Zahl der registrierten Schießereien in Amsterdam.
„Importkriminalität“ nennen die Amsterdamer Polizisten das.
Witze als Schutz
Im Ausstellungskatalog kommen die Polizeifotografen zu Wort. Sie
versuchen zu erklären, wie man weitermacht in so einem Job, ohne
durchzudrehen. Oft verirrt sich die Erzählung im Dickicht des
Wahnsinns, täglich dem Grauen ins Auge zu sehen. Wie Kriegsfotografen
schieben auch Polizeifotografen schutzsuchend die Linse zwischen sich
und die Welt. Mit einem Standardwitz munterten sie sich immer wieder
gegenseitig auf: „Kannst ruhig schön lang belichten, er liegt ja ganz
ruhig.“
Kein Blumenkohl, kein Beefsteak
Für die Ausstellung berichten sie aber auch von jenen Dingen, die sich
allen Verdrängungsmechanismen zum Trotz den Weg durch Linse, Auge,
Gehirn und für immer in ihr Gedächtnis bahnten. Von dem Zwölfjährigen,
der sich an der Gardinenstange erhängt hatte. „Die Sonne schien hell
ins Zimmer.“ Oder dem toten Neugeborenen in der Sporttasche. Über
manches sprechen sie zum ersten Mal. Selbst zu Hause sind Fragen tabu:
„Einmal saß ich nach einer langen Gehirnsektion in der Pathologie beim
Abendessen“, erzählt einer. “Ich ließ den Blumenkohl stehen. Willst du
lieber ein Beefsteak, fragte meine Frau. Mir reichte ein Käsebrot an
diesem Tag.“
Die Ausstellung „Plaats Delict Amsterdam“ läuft noch bis 25. Februar
2007 in der Galerie „Foam“. Keizersgracht 609, Amsterdam.
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 17 Uhr, Donnerstag und Freitag 10 bis 21
Uhr, Eintritt 7 Euro.
Damals brachte ein
Musiker es sogar auf den Punkt! Dafür wurde er vom deutschen Politiker
Asinat einhellig dafür kritisiert, obwohl er treffend von der
Faszination des Bösen und der Bilder sprach.
Ich
sehe in solchen Ausstellungen einen Ersatz für all dies, was wir an uns
in dem Zivilisationsprozess zu unterdrücken gelernt haben. Abgesehen
von grauensvollen Kriegen in der Neuzeit, die ein kollektives
Verbrechen sind, dem der Einzelne machtlos gegenüber stand und nicht
weg schauen konnte, ist es noch grauensvoller zu zeigen, wie ein
Einzelner stirbt und eine Menge Menschen tobt, wie im Saddams Fall oder
zu einer Ausstellung einzuladen, die die übelsten Sinnen anregt.
Der
Tod ist etwas ganz natürliches,normales da gebe ich Ihnen recht. Schön?
Beurnuhigend schön? Nein! Das kann ich nicht bestätigen. Hier wird mit
verklärten Augen betrachtet und von der Wirklichkeit, was Mord oder
Selbstmord angeht, abgelenkt. Konstruiert wird etwas Neues, etwas was
dann dem Betrachter suggeriert,ein gemordeter Mensch hat etwas
"Schönes".Gesicht der Gewalt was Schönes? Nein!
Jedes
Bild erzählt eine Geschichte, berührt uns, weil auch wir eines Tages
dem Tod ins Auge blicken. Es kann sehr hilfreich sein, sich das bewusst
zu machen, die Zeit, die einem bleibt zu nutzen.
Manuela (14.01.2007 01:11 Uhr)
Kunst und Grenzen
Auch
Kunst sollte Grenzen haben. Ich finde das Fotos toter Gewaltopfer nicht
veröffentlicht werden sollten, zumindest nicht in einer
Kunstaustellung. Das gehört sich nicht, es greift die Würde des Opfers
an und ist geschmacklos!
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